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Artikel mit Tag Sommer11Donnerstag, 28. Juli 2011(45) zwei Hügel und dann ans MeerBilder im Fotoalbum (Nr. 722 – 731) Das Hotel war wirklich alt und billig doch um halbwegs gut zu schlafen hat es gereicht. Etwas überrascht war ich dann heute Morgen doch, als der Hotelier für ein Brioche und einen Cappuccino zusätzliche fünf Euro wollte. Netterweise sagte er das vorher und fügte er gleich an, dass ich dies in der Caffetteria nebenan günstiger erhalten würde, so dass es mir nicht schwer fiel, dankend zu verzichten. Es gibt Leute, die wollen einem einfach nichts verkaufen… Ich fuhr dann jedoch zuerst aus Caserta heraus, bis ich im nächsten Dorf bei einem kleinen Lebensmittelgeschäft einen Frühstückshalt einlegte. Ich kaufte ein Jogurt, einen halben Liter Milch, ein frisch zubereitetes Schinken-/Käsebrot und eine grosse Flasche Mineralwasser, was insgesamt 3 Euro 80 kostete. Es folgte eine kleine Kuppe mit nachfolgender Abfahrt und dann einige flache Kilometer in Richtung der ersten Berge. Das Wetter war heute sehr stark bewölkt und in den Hügeln hingen schwere Regenwolken, so dass ich förmlich damit rechnete, nun nach über einem Monat Trockenheit wieder einmal die Regenjacke benutzen zu müssen. Ich packte zur Sicherheit schon mal die Lenkertasche in eine der wasserdichten Seitentaschen und die Regenjacke oben drauf. Die Strasse hoch zum „Monte Maggiore“ wurde schmaler und schmaler und ich befürchtete schon bald, dass der Asphalt enden und eine Schotterstrasse weiterführt, doch dem war nicht so. Auch der Regen schien andere Wege zu nehmen, so dass ich nur nass vom Schwitzen und nicht vom Regen wurde. Auf 750 Metern über Meer war dann der höchste Punkt erreicht und nebst ein paar Häusern gab es auch einen schönen kleinen Platz, von dem man scheinbar eine gute Aussicht hätte geniessen können, doch heute war ausser weissgrauen Wolken nichts zu sehen. Auf der nachfolgenden Abfahrt wurden dann die Strassen nass und ich dankte Petrus, dass er es vorher hatte regnen lassen und ich verschont geblieben bin. Nach einem kurzen flachen Stück stieg meine Route ein zweites Mal an, wobei ich gerade um die Mittagszeit in den recht hübschen Ort „Teano“ kam. In den engen Innenstrassen habe ich mich dann etwas verfahren, weil meine Streckenplanung stets in falscher Richtung durch Einbahnstrassen wollte und bei den engen Platzverhältnissen sollte man das dann doch bleiben lassen. Ich fand kein passendes Restaurant, doch bei einem kleinen Platz gab es einen Mini-Mercato und gleich daneben ein Früchte- und Gemüseladen. So kaufte ich etwas Brot, eine Flasche Fanta, drei Pfirsiche und fünf Pflaumen und picknickte auf einer Parkbank. Der zweite Berg hiess dann „Rocca Monfina“ und führte mich auf knapp 800 Meter über Meer. Ab etwa 600 Metern über Meer enden die Hasel- und Baumnussanbaugebiete und man fährt lange Zeit durch kultivierte Edelkastanienwälder, was sehr schön anzusehen ist. Hier musste es sehr stark geregnet haben, denn immer wieder wurde Laub, Erde und Steine quer über die Strasse gespült und blieb da liegen. Ich musste ziemlich langsam bergrunter fahren, denn erstens wollte ich nicht total dreckig werden und zweitens ist der dadurch rutschige Untergrund ideal um sich ungewollt hinzulegen. Als sich der Wald lichtete sah ich in das schöne Tal des „Suio“. Die Abfahrt ins Tal war steil und brachte die Bremsen zum glühen. Die nachfolgende Fahrt entlang des Suino in Richtung Meer dahingehend interessant, dass man an bestimmt zehn Thermalbädern mit Hotels oder Sanatorien vorbeikommt und auch an einer Mineralwasserfabrik. Ich dachte eigentlich, dass ich nun bald ans Meer komme, doch es zog sich noch ziemlich hin und so brauchte ich noch zwei Pausen in Bars, wo ich mich mit Coca Cola wieder aufpeppte. Kurz vor „Formia“ war es dann endlich soweit und ich kam an die Küste. Ein Strandbad reihte sich an das andere, doch es war fast nichts los, denn noch immer war es stark bewölkt, am Meer windete es wie immer und die Temperatur war kaum bei 25° Grad. Es gab da wieder die bekannten Ferienhaussiedlungen und auch ein paar Hotels, doch ich dachte mir, dass mir das zu öde ist und ich lieber im Ortskern ein Hotel suche. Ich habe dann Formia aufgekreuzt und nichts gefunden. Dann dachte ich, dass es wohl entlang der Küste Hotels gibt, doch das war auch eine Fehleinschätzung, denn da gab es nur viele prächtige Villen und kein Hotel. So ging es weiter bis zum Ortseingang von „Gaeta“ einer auf einer Landzunge gebauten, alten Stadt. Gleich am Ortseingang gab es ein Hotel-Infoschild, doch darauf waren nur sieben Hotel aufgelistet. 2x 2 Stern, 3x 3 Stern und 2x 4 Stern. Ich versuchte es zuerst bei den Zweisternhotels, wobei ich das erste gar nicht finden konnte. Irgendwie fuhr ich im Kreis, doch ein Hotel war nicht zu sehen. Langsam war ich müde und genervt. Dann versuchte ich es beim zweiten Zweisternhotel, welches ich tatsächlich auch finden konnte. Ausgebucht. Auf dem Weg zu einem Dreisternhotel fuhr ich direkt an einem Viersternbunker vorbei. Fragen kostet nichts. Stimmt. Für das Einzelzimmer wollten sie aber 110 Euro, worauf ich dann doch dankend ablehnte. Beim Dreisternhotel Serapo schien ich mehr Glück zu haben. Ja, sie hätten noch ein Einzelzimmer, für 60 Euro. Ich war müde und wollte endlich unter eine Dusche, also sagte ich zu. Der Mann an der Reception nahm mir meine ID ab und meinte, dass ich doch schon mal das Velo in den Innenhof stellen und mit dem Gepäck wieder herkommen solle. Er mache in der Zwischenzeit die Papiere bereit und zeige mir dann das Zimmer. Als ich dann wieder vor der Theke stand, legte der nette Mann einen Dackelblick auf, entschuldigte sich und sagte, dass sie leider nur noch ein Doppelzimmer frei hätten und er mir dieses statt für 120 für 80 Euro geben könne. Ich fühlte mich voll betrogen und er konnte froh sein, dass ich kaum italienisch sprechen kann, sonst hätte ich ihm meine Meinung gesagt. Ich überlegte mir ernsthaft ob ich Nein sagen und mich wieder auf die Suche machen soll, doch ich war wirklich fertig. Zähneknirschend unterschrieb ich das Anmeldeformular, liess mich aufs Zimmer begleiten und kochte innerlich. Dieser Scheisskerl! In solchen Situationen hilft es, wenn ich lange dusche, mich rasiere und auch sonst etwas pflege. Viel Zeit hatte ich jedoch nicht, denn ich wollte vor Einbruch der Dunkelheit noch ein paar Eindrücke von der Altstadt von Gaeta gewinnen und Hunger hatte ich auch. Was für ein Ferienstress! Ich fand einen kleinen Imbiss, der fünf verschiedene Sorten Pasta und etwa gleichviel verschieden Pizza anbot. Das war genau das Richtige für mich. Zuerst Pasta, dann Pizza und dazu eine grosse Flasche Bier, danach fühlte ich mich besser. Bis ich dann im Bett war, war es nach 23 Uhr… Das GPS sagt: 122 km., 6:50 Std., 1‘680 Hm. Mittwoch, 27. Juli 2011(44) CasertaBilder im Fotoalbum (Nr. 675-719) Der günstige Preis des 4*-Hotels relativierte sich dahingehend, dass man den Lärm der Discothek bis morgens um ein Uhr erdulden musste, bevor an Schlaf zu denken war. Dafür war das Frühstücksbuffet riesig und liess keine Wünsche offen. Ich war also gut motiviert für meine heutige Tour. Zuerst fuhr ich die gleichen sechs Kilometer, die ich gestern zurück fuhr und schon bald musste ich feststellen, dass es nach Nola für lange Zeit wirklich kein Hotel mehr gegeben hätte. Zum Glück fragte ich also gestern nach. Die Strecke wurde nämlich zusehens steiler und ich fuhr durch grosse Anbauflächen von Haselnuss und später von Baumnüssen. Zwischenzeitlich war es heftig steil und da es heute ein ziemlich warmer Tag war, schwitzte ich schon bald heftig. Leider habe ich derzeit keine Karte vor mir und die Ortsnamen sind mir nicht in Erinnerung geblieben, deshalb eher allgemeine Beschreibungen. Bis nach „Montesarcchio“ waren es ziemlich hüglige 30 Kilometer und so war es ziemlich genau zwölf Uhr mittags, bis ich da war. Der Ort wird von einem Kloster und einer Festungsanlage überragt und da wollte ich natürlich auch hinfahren um ein paar Fotos zu schiessen. Eigentlich dachte ich, dass es danach nur noch über einen kleinen Hügel geht und dann viele flache Kilometer folgen werden, doch da täuschte ich mich gewaltig. Aus dem kleinen Hügel wurde ein richtiger Berg und ich war froh, als ich auf einer Tafel las, dass es auf 1‘100 Metern über Meer ein Rifugo gibt. Rifugios sind wie bei uns Bergrestaurants und meistens am höchsten Punkt gelegen. Ich kämpfte mich also da hoch und als ich dann endlich das Rifugio sah, war mir klar, dass ich mich selbst verpflegen musste. Da stand nur noch eine Ruine, bestimmt schon mehrere Jahre lang. Die Aussicht war aber dennoch ganz ausgezeichnet und so genehmigte ich mir ein Jugurt, einen Pfirsich und zwei Riegel aus der Tasche und trank den Rest des Wassers der Madonna (aus Castellammare di Stabio). Nach der schönen Abfahrt in das nächste Tal folgten ein paar wenige flache Kilometer, bevor die Strasse gleich mit 10% Prozent anstieg. Zum Glück nur knapp 200 Höhenmeter, diese jedoch sehr gleichmässig steil. Das musste ich natürlich mit einer Cola und einem Gebäck in einer Bar belohnen. Ich schaute auf die Karte, denn mittlerweile war es nach vier Uhr mittags und ich war auch langsam müde. Caserta war der nächste grosse Ort, wo ich ganz bestimmt ein Hotel finden würde. Caserta… da war doch irgendetwas… Ich konnte mich nicht mehr wirklich erinnern, doch kaum lichtete sich der Wald auf der Abfahrt und ich bekam freie Sicht auf den Ort, war mir klar, worum es dabei geht. Da ist der bourbonische Königspalast mit seinem riesigen Park und der Quelle, die das Wasser drei Kilometer weit schnurgerade in Richtung Palast führt. Ich freute mich schon sehr darauf, als ich im Zentrum von Caserta noch einen typischen Velo-Auto-Zusammenstoss erlebte. Ich fuhr an einer Reihe geparkter Fahrzeuge entlang, als plötzlich eine Autotüre aufging. Ich wich reflexartig aus, doch mit der rechten Seitentasche knallte ich halt doch noch in die Türe. Zum Glück stürzte ich nicht, doch der Knall bei der Berührung kam mir bekannt vor. So wie ich mir kurz vor Assisi die linke Satteltasche abgerissen hatte, so baumelte nun die rechte Tasche an der Halterung. Der Fahrer des Autos entschuldigte sich mehrfach, doch es war ja nichts Ernsthaftes passiert. Ich konnte weiterfahren und muss halt heute Abend auch die rechte Tasche reparieren. Ich weiss ja nun, wie das geht… Dann konnte ich die wirklich einzigartige Anlage des Palastes besichtigen. Zum Glück war ich mit dem Velo da und man darf auch durch den Park fahren, denn hinauf bis zur Quelle und zurück, da kommen schon ein paar Kilometer zusammen. Ich will nicht mehr viele Worte darüber verlieren, denn ich machte einige Fotos, die im Album zu sehen sind. Ich fand dann auch schnell ein Hotel. Zwar einen ziemlich runtergekommenen Schuppen, doch es muss ja nicht immer Viersternekomfort sein. 40 Euro ist ja auch eher auf der günstigen Seite. Da es da kein Internet gibt, machte ich mich auf die Suche nach einem Internetcaffee, wurde jedoch nicht fündig. Als ich mich bei einem zentralen Platz in ein Strassenkaffee setzte, zückte ich deas Netbook und liess mir alle verfügbaren WLAN-Netze anzeigen. Von den etwa zehn Stück musste ich nicht lange probieren, bis ich ein ungesichertes Netz ohne Passwortabfrage fand und über dieses Netz sende ich nun diesen Beitrag. Das GPS sagt: 103 km., 6:31 Std., 2‘040 Hm. Dienstag, 26. Juli 2011(43) Golf von Salerno und von NeapelBilder im Fotoalbum (Nr. 650 - 674)
Vielleicht lag es bloss am Wetter, doch irgendwie fand ich diesen Teil der Amalfiküste noch schöner als den gestrigen Teil. „Praiano“ ist schon sehr schön und „Positano“ ist einfach traumhaft. Weil es etwas kleiner ist als Amalfi und die Strasse oberhalb der Ortschaft durchführt, ist Positano einfach noch eine Spur romantischer. Ich kriegte etwas Herzschmerz weil ich mir wünschte, dass Karin mit dabei wäre. Ihr gefällt die Gegend so gut und mit ihr wäre halt vieles noch einen Tick schöner. Zu zweit nimmt man sich mehr Zeit, schaut mehr Dinge an und kann die Freude halt auch teilen… Nach Positano steigt die Küstenstrasse noch ziemlich an und am äussersten Landzipfel, beim „Monte Lubrense“ ist man dann auf knapp 500 Metern über Meer und geniesst immer wieder grandiose Ausblicke der Küste entlang. Man kann auch die Insel Capri sehen, doch für ein Foto hatte ich einfach nie wirklich freie Sicht, da entlang der Strasse immer wieder Bäume oder Häuser stehen. Die nachfolgende Abfahrt nach Sorrento war ein Genuss, doch kaum im Ort begann schon wieder das grosse Verkehrschaos. Ich war froh, als ich unten an die Hafenpromenade kam und mir in einer schönen Caffeteria einen nächsten Cappuchino mit einem Vanille-Berliner einverleiben konnte. Das war ganz in der Nähe des touristenhafens und ich konnte zusehen, wie die Schnellbote in Richtung Capri sich füllten und losfuhren. Kurz nach Sorrento folgt „Vico Equenze“ wo wir vor ein paar Jahren mit Freunden in den Ferien waren. Obwohl ich ziemlich aufgepasst hatte, konnte ich das Hotel in dem wir damals waren nicht sehen. Kurz danach kam ich nach „Castellammare di Stabio“, wo ich unbedingt meine Trinkflaschen an der Quelle der „Fonte della Madonna“ auffüllen musste. Obwohl aus bestimmt 8 Hahnen Wasser fliesst musste ich kurz anstehen. Einheimische kommen mit ganzen Kisten voller PET-Flaschen um diese hier zu füllen und dann im Kühlschrank zu lagern, bis sie wieder leer getrunken sind. Das Wasser war frisch und schmeckte wirklich köstlich. Schon bald darauf kam ich nach Pompei, was natürlich ein riesiger Touristenmagnet ist. Die Ausgrabungen der nach dem Vulkanausbruch mit heisser Asche zugedeckten Stadt hatte ich auch schon früher besichtigt, weshalb ich nur aussen am Gelände und an den dutzenden von Souvenierständen vorbei gefahren bin. Im Zentrum von Pompei machte ich noch ein Foto der sehr schönen Kirche und machte mich dann auf den Weg in nördlicher Richtung um Neapel grossräumig zu umfahren. Das bis in die Schweiz bekannte Abfallproblem wird dann rasch ersichtlich. Kaum hinter Pompei, wo kaum mehr Touristen hinfahren, türmt sich noch immer Abfall entlang der Strassen und die geschmackliche Note ist deshalb nicht immer sehr angenehm. Generell fällt auf, dass hier sehr wenig Geld zur Verfügung steht. Viele Häuser sind in sehr schlechtem Zustand und die Strassen verdienen kaum diese Bezeichnung. Es sind Relikte von 500 Jahren Weg- und Strassenbau. Patchwork-Teppiche der übelsten Sorte. Über weite Strecken ist der Belag aus grossen Steinquadern gefertigt, die furchtbar holprig sind. Wurde später eine Kanalisation verlegt, wurde etwas geteert oder betoniert oder einfach Sand aufgeschüttet. Hier dachte ich das erste Mal auf dieser Tour, dass eine Federgabel nicht schlecht gewesen wäre. Als ich am späten Nachmittag durch „Nola“, eine grössere Ortschaft fuhr überlegte ich kurz, ob ich schon ein Hotel suchen sollte, doch ich wollte noch etwas weiter fahren. In der Zwischenzeit verdichteten sich jedoch die Wolken und kaum eine halbe Stund später musste man ernsthaft mit Regen rechnen. Ich fragte in einer kleinen Ortschaft nach einem Hotel, doch da gab es nichts. Die Antwort war, ich müsse zurück nach Nola. Die anderen Orte in der Umgebung seien alle zu klein um ein Hotel oder ein Albergo zu haben. So drehte ich also wohl oder übel um und fuhr wieder zurück.Gleich am Ortseingang von Nola sah ich das 4*-Hotel „I Gigli“ und dachte mir, dass dies bestimmt zu teuer ist. Nichts desto trotz wollte ich fragen und siehe da, ein Einzelzimmer mit Frühstück kostet „nur“ 50 Euro, was ich ja schon öfters bezahlt hatte. So freute ich mich, mal wieder 4 Sterne Luxus zu erleben und dadurch auch zu einem Internetanschluss zu kommen. Das GPS sagt: 114 km., 6:20 Std., 1‘120 Hm. Montag, 25. Juli 2011(42) via Salerno nach AmalfiBilder im Fotoalbum (Nr. 610-649)
Die 47 Kilometer bis nach „Salerno“ waren flach wie ein Pizzablech und die 14 Höhenmeter ergaben sich nur infolge von zwei Brücken, ansonsten wären es Null Höhenmeter gewesen. Da es beinahe windstill war, kam ich super schnell vorwärts und brauchte dafür nicht einmal zwei Stunden. Salerno selbst wollte ich nicht besichtigen und ist mir eigentlich nur durch den chaotischen Verkehr und die grosse Hafenanlage aufgefallen. In Gedanken an Karin, die Kreuzfahrten liebt, fotografierte ich das Schiff „MSC LIRICA“, die gerade anlegte und die Passagiere ans Land spülte. Nach einer kurzen Verpflegungspause freute ich mich dann auf ein weiteres UNESCO Weltkulturerbe, auf die „Costa Amalfitana“. Die Strasse wurde bald ziemlich eng und weil dieser Küstenabschnitt in jedem Reiseführer als „must“ beschrieben wird, hatte es auch nicht wenig Verkehr. Zum Glück war es heute Montag und zum Glück war das Wetter nicht strahlend blau, denn sonst hätte es wohl noch mehr Leute unterwegs gehabt. Trotzdem konnte ich die kurvige Strasse geniessen und machte immer wieder kurze Fotopausen. So brauchte ich für die 30 Kilometer bis nach „Amalfi“ fast genau gleich lange wie für die 47 Kilometer bis nach Salerno. Amalfi war mein erklärtes Tagesziel und deshalb begann ich meine Suche nach einer Unterkunft. Nach drei B&Bs und zwei Hotels war ich jedoch etwas ernüchtert. Alles voll. Als ich die Touristeninformation sah war klar, dass dies die richtige Anlaufstelle ist. Ich musste einen Zettel mit einer Nummer ziehen und zehn Minuten warten, bis ich dran war. Die Antwort war dann einfach. Es gäbe derzeit nur noch 4 oder 5 Sterne Unterkünfte. Das wollte ich nicht, denn das wäre bestimmt zu teuer. Ich setzte mich also in eine Bar und dachte schon, dass es das war. Noch ein paar Fotos machen und dann weiter fahren. Gleich nach dem Kreisverkehr im Zentrum stockte der Verkehr, weil an einer engen Stelle unbedingt noch einer sein Auto mit Warnblinker abstellen musste. Ich wollte mich schon ärgern als ich sah, dass er Koffer ins Auto packte und mir der Gedanke kam, dass da gerade ein Zimmer frei wird. „Piccolo Paradiso“ klang doch gut und fragen kostet nichts. Also stellte ich das Velo ab und wartete bis das Auto wegfuhr. Dann klingelte ich an der Türe und eine nette Frau machte auf. Ja, Sie hätte ein Zimmer frei. Es sei jedoch ein Doppelzimmer, welches Sie normalerweise für 120 Euro vermiete. Einer Einzelperson würde Sie es für 80 Euro geben. Ich schluckte. HEY! Ich bin nur einmal in Amalfi, das kann ich mir doch auch einmal leisten. Ich sagte also zu und war froh, eine Lösung gefunden zu haben. Dass Amalfi teurer ist als andere Orte, war mir schon vorher klar und diese Erfahrung macht man in jeder Bar und bei jedem Souvenierstand. Doch so ist es nun mal. Es heisst ja Amalfiküste und nicht irgendwie anders, das hat nun mal seinen Preis. Wer in Zermatt übernachten will, weil er das Matterhorn sehen will, bezahlt auch mehr als unten im Tal. Nach der Dusche erkundete ich noch etwas den Ort. Hier muss man fit sein! Ausser einer Stichstrasse in der Ortsmitte gibt es keine Strassen und überall geht es Treppen hoch und runter. Das hat wirklich Charme! Wegen des bedeckten Himmels sind die Fotos leider nicht so kontrastreich geworden, doch alles kann man nun mal nicht haben. Natürlich gibt es sehr viele Touristen hier, denn viele Busse verkehren zwischen Salerno und Amalfi. So sah ich beispielsweise auch zwei Busse, die mit MSC-LIRICA angeschrieben waren und die viele Amerikaner hier her gebracht hatten. Morgen will ich zeitig aufstehen, hoffe auf gutes Wetter und freue mich auf Positano, welches keine 20 Kilometer entfernt ist und das ich in guter Erinnerung habe. Das GPS sagt : 76 km., 3:54 Std., 390 Hm. Sonntag, 24. Juli 2011(40+41) Parco Nazionale del Cilento e Vallo di DianoBilder im Fotoalbum (Nr. 578-609) Nach einer guten Nacht startete ich der Küste entlang in den Nationalpark des Cilento und des Vallo di Dianno. Der Tag begann sehr wolkig, mit nur knapp 25 Grad war es ein idealer Biketag und die befürchtete Hitze des Südens findet wohl ein ander Mal statt. Die Küstenstrasse bot tolle Einblicke in schöne Badebuchten, war jedoch ein stetes auf und ab. Es war abwechslungsreich und gegen Mittag kam ich nach „Sapri“, einer schönen, kleinen Hafenstadt in einer malerischen Bucht. Gleich an der Hauptstrasse sah ich einen einladenden Pizzaimbiss, der mich förmlich zu einem Mittagshalt einlud. Ich lehte das Bike an die Wand, kaufte mir ein schönes Stück Pizza zusammen mit einer Cola und setzte mich unter den Sonnenschirm. Plötzlich begann es zu regnen und ich war froh, im Trockenen zu sitzen. Es war nur ein kurzer Wolkenbruch, doch sofort kam Hektik auf und viele Leute rannten vom Strand in Richtung der Restaurants, wo sie Schutz unter einem Vordach suchten. Kaum hatte ich den letzten Bissen runtergeschluckt, hörte der Regen auf und liess dampfende Strassen zurück. Petrus muss ein Velofahrer sein, denn bis ich wieder abfahrbereit war, war der Spuk vorbei. Schon ein paar Kilometer später bog meine Strecke von der Küste landeinwärts ab, denn ich plante die Tropfsteinhöhlen der Bussento-Grotten zu besichtigen. Sofort war der Verkehr weg und ich genoss herrliche Kilometer abseits des Rummels. Das mit der Höhlenbesichtigung hat dann leider nicht geklappt. Im Infozentrum wurde mir erklärt, dass man die Höhlen nur mit Führung besichtigen kann. Dazu müssen es mindestens fünf Teilnehmer sein und die zweistündige Führung koste 25 Euro. Erstens war ich alleine im Infozentrum, zweitens war mir zwei Stunden zu lange, drittens 25 Euro eher etwas zu teuer und viertens erkannte ich auf den ausgestellten Fotos, dass man teilweise durch enge Stellen durchkriechen muss, was nichts für meine (leichte) Platzangst ist. Dennoch wollte ich ins Tal hinabsteigen um die dortige alte Mühle sowie den Eingang zur Grotte zu sehen. Das hat mir dann auch gut gefallen und somit fand ich das ganze o.k. Kaum wieder im Sattel kam ich am Bach Bussento vorbei und sah einen kleinen, verwunschenen Rastplatz unter einer alten Brücke. Ich parkte das Velo, nahm meine mitgeführten Esswaren mit und machte nochmals eine schöne Pause. Das Wasser im Bach war ganz klar und ich konnte viele grosse Molche und ein paar Fische sehen. Ich zog die Schuhe aus und watete etwas durch das ziemlich kalte Wasser. Ein wunderbarer Ort. Dieser Halt lohnte sich sehr. Eigentlich dachte ich, dass mich meine Strecke bald wieder ans Meer führt, doch dem war nicht so. Es folgte Hügel um Hügel und da langsam der Abend anbrach wurde mir klar, dass ich wohl nicht mehr bis zur Küste komme. Macht auch nichts, denn in den Hügeln ist es sowieso ruhiger und kaum hatte ich mich mit dem Gedanken angefreundet, kam ich auch schon an dem schönen Albergo Romeo in „Bosco“ vorbei. Ja, das gefällt mir. Ich fragte nach einem Zimmer und als ich die Speisekarte sah, war ich sogar bereit, Halbpension für insgesamt 60 Euro zu buchen. Das hatte sich dann auch wirklich gelohnt. Die Leute waren sehr nett, das Essen war reichlich und ausgezeichnet und das Zimmer war sauber und sehr ruhig. Ein schöner Tag. Das GPS sagt: 105 km., 6:27 Std., 2‘040 Hm. Am nächsten Morgen war der Himmel noch etwas düsterer und nun hatte es auch keine 25 Grad mehr. Ich machte mir deswegen jedoch keine Sorgen, denn schon bald würde ich wieder am Meer sein und da ist es ja bekanntlich am wärmsten. Der weitere Tagesverlauf ist eigentlich schnell erzählt. Ich fuhr etwa 100 Kilometer entlang der Küstenstrasse bis nach Agropoli. Da es Sonntag war und die Schnellstrasse weit im Landesinneren verläuft, war dies so ziemlich der verkehrsreichste Tag meiner Veloferien. Erwähnenswert sind die sehr schönen Orte „Palinuro“, „Pisciotta“ und „Pioppi“. Alle liegen in kleinen Buchten, mit eigenem Badestrand sind wie kleine Ferieninseln. „Pioppi“ ist deshalb erwaähnenswert, da hier scheinbar die „mediterrane Küche“ erfunden wurde, die wir im Schulunterricht so oft besprochen hatten (hallo Vitaltrainerinnen). Nur etwa 10 Kilometer vor Agropoli liegt der Ort „Santa Maria di Castellabate“, der wirklich super malerisch ist und da hätte ich schon fast ein Hotel gesucht. Ich tat es nicht, weil ich irgendwie die fixe Idee im Kopf hatte, bis zum Golf von Salerno zu fahren und dieser beginnt halt erst bei Agropoli. Ausserdem fand ich den Namen spannend und der Karte nach zu urteilen sollte der Ort auch so gross sein, dass ein Hotel leicht zu finden sein wird. Da ich in all den oben erwähnten Orten mindestens eine Kaffeepause machte, dauerte es ziemlich lange und bis ich endlich in Agropoli war, war es schon nach sechs Uhr abends. Auf der Küstenstrasse war auf beide Seiten stockender Kolonnenverkehr, doch Hotel gab es viele. Zuerst versuchte ich es bei zwei Bed&Breakfast, die jedoch beide voll waren. Dann kam ich zum Hotel Serenella. Ich kriegte ein Zimmer in der obersten Etage, mit einer Traumaussicht auf Meer, musste dafür jedoch 55 Euro bezahlen. Was soll’s, ich war zu müde um noch lange zu suchen. Die gute Lage, mit den vielen kleinen Restaurants in der Umgebung machten es wett. Abends spazierte ich noch etwas der Strandpromenade entlang (wie ein echter Italiener dies am Sonntagabend tut) und ass in einer kleinen Pizzeria. Das GPS sagt: 117 km., 6:24 Std., 1‘300 Hm. Freitag, 22. Juli 2011(39) Traumtour am Monte Pollino
Ich war vorbereitet auf das magere Frühstück und bin deshalb schon mit einem Jogurt, etwas Milch und ein paar Früchten bewaffnet zum Frühstück erschienen. Zusammen mit dem Zwieback ergab das ein leckeres Müesli und mit dem feinen Cappuccino ein gutes Frühstück. An der Stelle vielleicht mal eine kleine Korrektur betreffend den Brioche, die hier fast immer zum Frühstück serviert werden. Wenn sie frisch und warm sind, sind sie meist ganz lecker. Es gibt sie Nature, mit Vanille-, Schokoladen- oder Aprikosencreme gefüllt und die habe ich alle wirklich gerne gekriegt. Der Graus sind aber die in einer Plastikfolie eingeschweissten Dinger, die vermutlich jahrelang haltbar und meiner Ansicht nach schlicht ungeniessbar sind. Einfach nur pampig, klebrig und lieblos. Von der Sorte gab es heute. Das Wetter war aber wie gemacht für einen tollen Velotag, wenn man mal vom immer noch heftigen Wind absieht. Die Sonne schien an einem wolkenlosen Himmel und es war um die 25 Grad warm. Mein Start lag auf 400 Metern über Meer und ich wusste, dass mir ein paar längere Steigungen bevorstanden, denn meine Strecke führte nahe am Monte Pollino (2'436 m.ü.m.) vorbei, der diesem Nationalpark seinen Namen gab. Weil auch „Francavilla sul Sinni“ ein Hügeldorf ist, ging es zuerst einmal etwas bergrunter, was ideal war um einzurollen und die Beine etwas in Schwung zu bringen, denn schon bald begann die erste Steigung hach nach „San Severino“ auf 920 Metern über Meer.
Ich suchte mir gerade eine passende Sitzgelegenheit am Strassenrand, als ich im Display meines GPS ein kleines Häuschen auftauchen sah, was auf ein Rifugio hindeutet und wahrhaftig, schon nach ein paar Kurven, auf 1‘430 Meter über Meer kam ich an diesem herzigen Rifugio vorbei. Gut gelaunt fuhr ich weiter und fragte mich langsam, wie weit es denn noch hoch geht und ob ich meinen bisherigen Höhenrekord in Italien, nahe des Gran Sasso, von 1‘730 Metern über Meer, noch knacken werde. Dem war aber nicht so, es fehlten 90 Höhenmeter, denn auf 1‘640 Metern über Meer war der höchste Punkt erreicht. Anderes als bei vielen Schweizer Bergen führt die Strasse danach aber nicht nur einfach bergab. Es folgt eine Abfahrt von 100 Höhenmetern, dann geht es wieder 50 hoch, dann wieder 100 runter und wieder 80 hoch. Endlich lichtet sich der Wald und eigentlich denke ich, dass ich schon bald das Mittelmeer sehen sollte, doch da täuschte ich mich gewaltig, denn ich sah lediglich an die nächste Bergkette. Ups, sollte heutiges mein Ziel, bis ans Mittelmeer zu kommen doch nicht realistisch sein? Endlich führte die Strasse bergab und auf ziemlich genau 1‘000 Metern über Meer kam ich in eine Talsenke, wo die Autobahn von Salerno nach Kalabrien führt. Ich konsultierte das GPS und die violette Linie zeigte ziemlich gerade auf die nächsten Berge vor mir. Die Uhr zeigte erst kurz vor zwei Uhr mittags. Am Himmel zeigten sich ein paar Wolken, doch alles war noch ideal um weiter zu fahren. Ich plante meinen nächsten Essenshalt auf 1‘200 Metern über Meer, doch so hoch bin ich dann gar nicht mehr gekommen. Meine Strecke führte nämlich sehr gekonnt zwischen den Bergen hindurch in Richtung Meer. Ich musste natürlich trotzdem Kohlenhydrate nachwerfen und hätte dies gerne mit Blick auf Meer getan, doch von Meer war noch keine Spur zu sehen. Kaum wieder auf dem Velo und nur eine leichte Kuppe später war es dann aber soweit. Vor Freude musste ich ein Selbstauslöserfoto machen (was leider total unscharf wurde). Bei „Scalea“ komme ich dann an die Küste und in den vollen Badetourismustrubel. Was für ein Gegensatz zu der ruhigen Bergwelt, wo ich herkam. Ich war schon ziemlich müde und die 31° Grad die hier angezeigt wurden machten es mir einfach, rasch ein Hotel zu suchen. Das ist an und für sich kein Problem, denn entlang der Küstenstrasse reiht sich fast Hotel an Hotel. Nur, die Preise sind hier doch deutlich teurer als die Tage zuvor. Ich habe in fünf oder sechs Hotels nachgefragt. Alle hatten noch Zimmer frei, doch unter 65 Euro war Keines dabei, was mir alles irgendwie zu teuer war.
Ah ja, fast hätte ich’s vergessen. Rein geografisch ist Scalea der südlichste Punkt meiner Sommerreise. Von nun an bewege ich mich also wieder in Richtung Norden, in Richtung Florenz und nach Hause. Das ist auch ein gutes Gefühl. Donnerstag, 21. Juli 2011(38) Valle di Sinni
Man kann sagen was man will, doch grosse Hotels sind einfach besser auf ausländische Gäste eingerichtet und wissen, was diese gerne zum Frühstück haben. Heute Morgen gab es nämlich alles, was ich mir jeweils so wünsche und so konnte ich ziemlich Kalorien bunkern für die kommenden Kilometer. Wie der gestrige Tag endete, so begann es heute. Blauer Himmel und viel, viel Wind. Vermutlich bilde ich mir das nur ein, doch ich hatte auch heute das Gefühl, dauernd gegen den Wind zu fahren. Zudem merkte ich relativ rasch, dass heute meine Beine nicht so fit waren, wie mein Kopf. Der gestrige Gegenwindtag hat doch ziemlich Körner gekostet und so musste ich heute zwangsläufig etwas vorsichtig mit meinen Kräften umgehen. Dabei kam mir entgegen, dass es heute nicht mehr so heiss war, ich schätze mal so 25-28° Grad.
Nach knapp 30 Kilometern kam ich in das Dorf „Valsinni“ wo ich in einer Bar etwas trinken und eventuell etwas Kleines essen wollte. Gleich eingangs der Ortschaft sah ich einen alten Mann ein paar Tische vor einer Bar putzen und dachte, jawohl da mache ich Halt. Die nachfolgende Szene erinnerte mich an einen Spagetti-Western, wo Clint Eastwood nach mehreren Tagen Ritt durch die Prärie in einen Ort kommt, an dessen Eingang Lee van Cleef steht und sich die schon halbgerauchte Zigarillo ein weiteres Mal anzündet und den Hut tief im Gesicht trägt. Links und rechts der Hüften baumeln grosse Revolver in den Halftern. Als Clint Eastwood direkt vor ihm steht, hebt er den Hut leicht an und sagt: „Was willst Du hier, Fremder? Das ist meine Stadt und ich mag keine Typen, die nach Ärger aussehen!“ Ich betrete die Bar, der alte Mann putzt in Ruhe draussen weiter die Tische. Ich mustere in der Zwischenzeit das Interieur. Die kaum zehn Quadratmeter grosse Bar ist spartanisch eingerichtet. Eine grosse Kaffeemaschine, dahinter an der Wand ein Gestell mit viel hochprozentiger Alkoholika, ein Kühlschrank voller Bier und Wasser, ein einziger Tisch mit drei klapprigen Stühlen, sonst nichts. Nichts Essbares in Sicht. Der alte Mann kommt herein, schlurft hinter die Theke und schaut mich an. Er spricht kein Wort. Ich: „Un Cappuccino, prego.“ Er sieht mich an und sagt ganz langsam: „Non che.“ Ich bin etwas verwundert, denn die Kaffeemaschine würde sehr wohl einen Cappuccino hergeben, doch er will wohl einfach keine Milch öffnen, die nachher keiner mehr trinkt und die Kaffeemaschine putzen scheint ihm auch zu viel. Er schweigt. Darauf ich „un caffe e un bicchiere di aqua?“ Er: „Si“ Er lässt den Kaffee aus der Maschine und sucht im Körbchen wo haufenweise Löffel liegen nach einem Plastikrührstab. Eine Untertasse gibt es nicht dazu. Er: „un Euro“. Ich bezahle und denke mir, na dann halt nicht. Ich hätte vielleicht noch ein Mineralwasser gekauft, doch seine ablehnende Art hat mich davon abgehalten. Dann fülle ich halt meine Flasche draussen am Brunnen und mache mich wieder aus dem Staub. Die mögen hier keine Fremden… Die weitere Fahrt führt immer entlang des Sinni-Tals, bis zum recht grossen Stausee „Lago di Monte Cotugno“. Dieser wird nicht zur Stromerzeugung genutzt, sondern liefert das Trinkwasser für Policoro und Umgebung. Entlang der Schnellstrasse ist eine grosse Röhre verlegt, die das Wasser über die 30 Kilometer talwärts transportiert. Ich mache ein paar Fotos und fahre weiter. Der Wind nimmt wieder zu, meine Kräfte schwinden und ich weiss, dass ich wohl besser früher als später ein nettes Hotel suchen werde um nicht ganz platt am späten Abend in der Pampa zu landen.
Am Strassenrand begegne ich schon bald einem Schild mit der Aufschrift: „Francavilla sul Sinni“, 10 km. Das ist gut, scheint das doch ein etwas grösserer Ort zu sein. Schon kurz vor der Einfahrt in den Ort sehe ich ein weiteres Schild mit: Ich denke es war eine gute Entscheidung nicht mehr weiter zu fahren. Für heute hatte ich genug gesehen und auch genug Wind gehabt. Morgen sollte ich eigentlich durch den Nationalpark bis ans Mittelmeer kommen. Ich bin gespannt. Nun besichtige ich noch zu Fuss etwas das Zentrum von Francavilla. Das GPS sagt: 69 km., 4:12 Std., 990 Hm Dienstag, 19. Juli 2011(36) Ab ans Meer
Als ich morgens um acht Uhr den Frühstücksraum betrat sah es so aus, als sei ich der allererste Gast. Das reichhaltige Frühstücksbuffet war noch unangetastet und die schön dekorierten Tische waren noch alle sauber und ohne jede Gebrauchsspuren. Die nette Dame des Hauses begrüsste mich freundlich und brachte mir einen feinen Cappuccino. Dann beschrieb sie die fünf verschiedenen Kuchen die zur Auswahl standen und zum Schluss sagte Sie, dass es heute richtig heiss werde… Jetzt war ich noch auf 400 Meter über Meer und beim festmachen der Packtaschen tropfte mir schon der Schweiss von der Stirn, wie heiss wird das wohl am Meer sein? Ich werde es herausfinden, schwang mich aufs Rad und fuhr los. Die Strecke führte angenehm leicht nach unten, ein gutes einrollen, was meinen Beinen und meinen Füssen ganz gut tat. Am rechten Fuss ist der Schmerz ganz verschwunden, links wurde es zwar deutlich besser, schmerzte aber immer noch leicht.
Das war dann schon der schönste Teil der heutigen Strecke. Nach Ginosa geht es bestimmt fast 20 Kilometer lang schnurgeradeaus bis ans Meer. Und da meist der Wind vom Meer Richtung Landesinneres weht, nützte das ganz leichte Gefälle auch nur wenig. Das mag ich gar nicht. Die Luft flirrt über dem Asphalt, weit und breit kein Baum und kein Schatten und am Horizont sieht man die Strasse immer noch gerade vor sich. In Kombination mit über 35° Grad und Gegenwind ist das mein Motivationskiller und in solchen Situationen vergeht mir die Lust am Radfahren. Wenn dann noch Autos mit 110 Sachen ziemlich knapp an einem vorbeirasen, könnte ich lernen zu fluchen. Etwa fünf Kilometer vor der Küste bog meine geplante Strecke von dieser geraden Linie ab, und folgte für mehrere Kilometer ganz langweilig der Autobahn, bis es dann in Richtung Meer ging. Nur, das war eine Sackgasse. Etwa einen Kilometer vom Meer entfernt kam ich nämlich an ein grosses Tor mit gleich zwei Sicherheitskräften. Golf Club Beach Resort stand darüber. Nein, Privatareal, kein Zutritt, hiess es. Kann man nichts machen dachte ich, das sieht man Satelittenbildern leider nicht an. Ich fuhr also wieder zurück in Richtung Autobahn und fand dann eine Strasse, die tatsächlich bis ans Meer führte und so kam ich nach „Riva dei Tessali“ am Golf von Taranto. Der Ort „Taranto“ selbst wäre noch etwa 30 Kilometer ostwärts, liegt am Knick der italienischen Schuhsohle zum Absatz, doch da wollte ich nicht hin. Schon bei der Anfahrt zum Bad erkannte ich meinen nächsten Planungsfehler. Ich wollte danach nämlich bestimmt 20 Kilometer lang der Küste folgen, doch was ich für eine Strasse hielt ist in Wirklichkeit ein Eisenbahntrasse. Da kann man nicht entlang fahren. Die nächstmögliche Strasse ist eben die entlang der Autobahn, also etwa 5 Kilometer von der Küstenlinie entfernt. Zu den einzelnen Strandgebieten führen jeweils nur Stichstrassen, die am Meer enden. Momentan interessierte mich das jedoch nicht, denn ich wollte diesmal das Meer nicht nur sehen, sondern auch darin baden. Es war mittlerweile ziemlich genau zwölf Uhr mittags und brütend heiss. Für Geizhälse wie mich ist das aber gar nicht so einfach. Jedes Lido verlangt Eintritt in Form von Sonnenschirmmiete, die so zwischen 15 und 25 Euro pro Tag liegt. Ich wollte aber nur kurz baden und nicht gleich einen Strandabschnitt kaufen, deshalb musste ich etwas suchen, bis ich wirklich öffentlichen Strand fand. Klarerweise gibt es da dann keinen schattenspendenden Baum, sondern höchstens halbhohes Gestrüpp, wo man zwar sein Shirt hinhängen kann, aber nie und nimmer Schatten findet. Ich zog zwischen zwei Sträuchern die Bikekleider aus und die Badehose an und ein paar Minuten später war ich dann auch schon im Meer. Der flache Strand lässt das Wasser auf bestimmt 25° Grad aufwärmen, was dann schön zum planschen ist, jedoch kaum Erfrischung bietet. Also wieder raus, rasch an der Sonne etwas trocknen, wieder umziehen und dann ein Strandcaffee suchen, welches etwas kühleres Wasser anbietet als die warme Plörre in meiner Trinkflasche. Endlich kann ich etwas im Schatten sitzen, etwas essen und ein wirklich kaltes Mineralwasser trinken. Irgendwie war meine Laune trotz Meer und tollem Wetter nur noch mässig. Was soll ich nun tun? Wie immer in solchen Situationen entschliesse ich mich weiter zu fahren. Also Helm auf und los. Schon nach zehn Minuten habe ich wieder einen trockenen Mund und die Hitze macht mich wirklich fertig. Nein, jetzt ist genug! Ich fahre zum nächstgelegenen Ort, suche mir ein Hotel und gehe dann wirklich einmal gepflegt baden! Der nächste Ort war dann „Marina di Ginosa“. Ja ich weiss, das hätte ich auch einfacher haben können, indem ich die Strasse von Ginosa her kommend einfach geradeaus bis ans Meer gefahren wäre. Sei’s drum, es gab einige Schilder für verschiedene Hotels und aus irgendeinem Grund entschied ich mich für „Albero da Michele“. Da war dann auch ein Zimmer frei, 40 Euro die Nacht, inkl. Klimaanlage und Frühstück, da musste ich nicht mehr lange nachdenken. Endlich mal wieder eine Duschkabine die grösser ist als 60x60cm und aus der Brause kommt viel und regelmässig gleichwarmes Wasser. Herrlich.
Dann packte ich die Badehose, das Badetuch und eines der Bücher die ich immer mitgefahren habe in eine Seitentasche und machte mich auf den Weg zum Strand. Jetzt reuten mich die (noch) 10 Euro für eine Sonnenschirmmiete nicht mehr. Dazu kaufte ich noch eine Flasche Mineralwasser und zwei Pfirsiche. Dem wahren „dolce far niente“ stand nun nichts mehr im Weg. Mittlerweile überlege ich, ob ich hier noch einen Tag anhängen soll. Meine Füsse und mein langsam etwas dünnes Nervenkostüm könnten wohl etwas Erholung brauchen und eigentlich habe ich ja schon etwa eine Woche Vorsprung auf meinen vorausgedachten Zeitplan. Immer nur Velofahren hängt mir irgendwann auch zum Hals heraus. Ich weiss es noch nicht und werde vermutlich erst morgen beim Frühstück eine Entscheidung treffen. Das GPS sagt: 67 km., 2:58 Std., 270 Hm. Montag, 18. Juli 2011(35) Sassi di Matera
Die Kurzversion des heutigen Tags geht so: Ich fuhr mit dem Velo zum nächsten UNESCO-Weltkulturerbe, nach "Sassi di Matera". Alles andere kann man z.B. auf Wikipedia nachlesen, indem man einfach auf obigen Link klickt. In meinem Blog will ich mich aber nicht kurz fassen, denn ich will ja meine Erinnerungen und Eindrücke festhalten, damit ich später wieder nachschlagen kann, was mich heute so bewegte. Deshalb nun die lange Version. Seit ein paar Tagen plagen mich zunehmend Schmerzen in der Mitte der Fussballen und als ich heute morgen aufstehen wollte, zuckte ich vor Schmerz zusammen. Mein linker Fuss war ziemlich angeschwollen und ich konnte kaum gehen. Ich denke mir, diese Schmerzen kommen von den Strandlatschen, mit denen ich einige Kilometer durch Andria geschlendert bin, doch ich weiss es nicht so genau. Auf alle Fälle hatte ich ziemliche Zweifel, ob ich die über 120 Kilometer bis nach Matera mit einem halblahmen Fuss schaffen würde. Ich dachte mir, dass ich mehr seitlichen Halt im Schuh brauche als bisher, damit ich beim Pedalieren mir die Füsse nicht so platt drücke. Deshalb schnürte ich die Schuhe heute ziemlich fest. Rechts war nur ein leichter Schmerz, doch links war es echt übel. Deshalb stellte ich den Sattel auch eine Spur tiefer, damit ich links nicht ins Pedal einklicken musste und so mehr mit der Mitte des Fusses treten konnte. Wie ein alter Mann stieg ich aufs Rad und fuhr los. Velofahren geht schon mal einiges besser als laufen...
Danach führte die Strecke zwar wellig doch meist leicht bergab, was ich natürlich super fand. Ich befand mich heute in einer der Kornkammern von Italien. Abgemähte Felder, soweit das Auge reicht.
Auch deswegen fand ich es nicht lustig, dass die alten Italiener ihre Ortschaften immer auf Hügel bauen mussten, denn so muss man zum Schluss immer wieder berghoch fahren. So auch heute, denn Matera liegt ziemlich genau 400 Meter über Meer. Ich erinnerte mich nicht mehr wirklich, weshalb man Matera gesehen haben muss und die ersten paar Kilometer kreuz und quer durch den Ort fand ich ziemlich unspektakulär. Natürlich waren mir die vielen Schilder nach "Sassi" nicht entgangen, doch mit dem Wort an sich konnte ich noch nichts anfangen. Da aber viele "B&B"-Schilder nach Sassi zeigten fuhr ich zwangsläufig in die Richtung und nach ein paar Hausecken öffnete sich mir die grandiose Aussicht auf diese alte (Höhlen-)Stadt (siehe Tagesbild). Sassi wurde sehr aufwändig restauriert, überall gibt es kleine Restaurants, Hotels, B&Bs und viele kleine Künstlerwerkstätten. So dachte ich mir, dass ich da wohl eine Unterkunft kriege, doch die Preise waren exorbitant. Nachdem ich kein Angebot unter 68 Euro für ein Bed&Breakfast finden konnte, entschied ich mich wieder hoch in die Stadt Matera zu fahren und da nach etwas günstigerem zu suchen.
Nach der Dusche schaute ich meinen lädierten Fuss an. Die Schmerzen sind im Tagesverlauf glücklicherweise geringer geworden und auch die Schwellung bildet sich langsam zurück. Dies erlaubte mir dann noch etwas Sightseeing in dieser schönen Stadt. Was für ein Tag! Das GPS sagt: 139 km., 6:36 Std., 1'530 Hm. Sonntag, 17. Juli 2011(34) Lagi di Monticchio und Castel Lagopésole
Heute schlief ich bis nach neun Uhr morgens und da sonst im Haus noch alles ruhig war, nutzte ich die Zeit um im Garten den Blogbeitrag von gestern zu schreiben. Bis dann alle wach waren und wir gemeinsam frühstückten, war es schon fast elf Uhr. Ein richtig schöner Sonntagmorgen.Bis ich dann gepackt und mich von allen verabschiedet hatte, war es kurz nach zwölf Uhr mittags. Eigentlich unklug genau zur Mittagszeit zu starten, denn die Sonne stand im Zenit und es war um die 32° Grad im Schatten (wenn es denn Schatten gab). Wie ich jedoch gestern schon schrieb, windet es in dieser Gegend ziemlich und so fand ich es ganz angenehm und bei weitem nicht so heiss wie vor zwei Tagen. Zudem wollte ich nur eine kurze Etappe bis zu den zwei kleinen Seen „Lagi di Monticchio“ fahren, was ich auf etwa 50 Kilometer schätzte. Weil die zwei kleinen Seen auf etwa 700 Metern über Meer liegen und der Weg da hin auch schon ziemlich wellig war rechnete ich auch mit einigen Höhenmetern und ging die Sache deshalb ruhig und gelassen an.
Ich setzte mich in eines der Restaurants, ass eine Pizza und schaute auf die Karte. Es sah so aus, dass ich noch etwas hochfahren muss und danach eine längere Abfahrt folgt, die mich auch durch ein paar Ortschaften führt wo ich annehmen konnte, dass ich da irgendwo ein Hotel finden werde. Deshalb bin ich nach dem Essen wieder in den Sattel gestiegen und weitergefahren. In der ersten Ortschaft „Rionero di Vulture“ hätte es Hotels gehabt, doch ich wollte noch etwas weiter. In „Filiano war dann tote Hose und als ich das „Castel Lagopésole“ schon von weitem sah, dachte ich mir schon, dass ich da fündig werde. Es war nun schon gegen sechs Uhr abends und das dauernde auf und ab spürte ich langsam in den Beinen.
Samstag, 16. Juli 2011(33) Castel del Monte und Venosa
Als ich kurz vor acht Uhr aus dem Hotel trat und das Gepäck ans Velo montierte merkte ich sofort, dass es heute nicht so heiss war wie gestern und dass ein angenehmer Wind wehte. Zuerst kaufte ich in einem Lebensmittelgeschäft frisches Wasser und ein paar Sachen zu essen ein und dann machte ich mich auf den Weg in Richtung Castel del Monte (UNESCO-Weltkulturerbe).
Danach führte mein Weg westwärts, weiter ins Landesinnere und ich hatte dabei immer mehr mit dem Wind zu kämpfen. Noch selten erlebte ich einen derart gleichmässig starken Westwind und obwohl es nur wenig bergauf oder bergrunter ging, hatte ich ziemlich zu kämpfen.
Gegen zehn Uhr abends (ich war natürlich schon ziemlich müde) wollten sie mir dann noch die Innenstadt von Venosa zeigen, was ich natürlich nicht ablehnen konnte. In typisch italienischer Manier fuhren wir mit dem Auto, mit runtergelassenen Fenstern und lauter Musik mitten ins Zentrum, wo an einem Samstagabend wie heute wieder hunderte, ja tausende von Passanten umherschlenderten und die vielen Strassencaffees füllten. Pure italienische Lebensfreude, überall ein „Ciao! Tutto a posto?“ So verstich natürlich die Zeit um Nu und als morgens um ein Uhr noch die Idee aufkam, man könne ja nun noch in eine Disco gehen, musste ich forfait erklären. Ich war einfach schon zu müde und wollte nur noch am Kissen horchen. So wurde auch dies wieder ein langer und bunt gefüllter Tag. Ich bin dankbar, solche lieben Leute zu kennen und solche Erlebnisse machen zu können. Das GPS sagt: 90 km., 5:14 Std., 1‘010 Hm. Freitag, 15. Juli 2011(32) Entlang der Adriaküste
Heute bin ich schon wieder sehr früh aufgewacht und so nutzte ich die noch angenehm warmen Morgenstunden, bevor dann die grosse Hitze kam. Kurz nach sieben Uhr bin ich dann aus dem Gelände der „African Beach“ auf die Hauptstrasse gefahren und vor mir langen viele flache Kilometer. In dieser Gegend werden die abgemähten Kornfelder angezündet und abgebrannt, bevor dann der Boden umgeackert wird. Deshalb bin ich mehrmals an noch mottenden und rauchenden Feldern vorbeigekommen, was nicht sonderlich angenehm war. Kurz vor dem Ortsausgang machte ich einen kurzen Halt bei einem „Fruta e Verdura“ Geschäft und kaufte drei grosse Pfirsiche, 4 Aprikosen, drei dunkle und drei helle Pflaumen. Der Verkäufer legt alles auf die Waage, 900 Gramm Früchte, und sagt „un Euro“ (da habe ich für weniger Früchte schon mal drei Euro bezahlt). Das war echt günstig und geschmeckt haben die Früchte ebenfalls.
Ich hatte ja genügend Zeit und weil ich hier alles so schön fand setzte ich mich im schönsten Strassenkaffee in den Schatten und bestellte mir ein Panini und ein Mineralwasser. Am Umstand, dass der Kellner eine weisses Langarmhemd mit schwarzem Gilet und Fliege trug, dachte ich schon, dass es teuer wird, doch elf Euro fand ich dann schon etwas heftig. Da trinke ich einen Kaffe lieber wo anders. Ich steckte mir mein kleines Münzportemonnaie nur so locker vorne in die Lenkertasche und fuhr los. Ich überlegte es mir dann aber anders und fuhr nun weg von der Küste in Richtung Landesinneres. Mittlerweile war es halb zwei Uhr Mittags und bei einer Apotheke, die wirklich im Schatten lag, zeigte das Aussenthermometer 38° Grad. Dazu trockene Luft und dieser feine Marmorstaub in der Luft (auch hier wieder Marmor verarbeitende Betriebe). Ich nahm einen Schluck aus der Flasche. Bähh… das war mittlerweile auch fast 38° Grad. Ich sah eine grössere Tankstelle mit Shop, steuerte diese an, parkte das Velo und betrat den klimatisierten Shop. Herrlich! Als ich bezahlen wollte merkte ich aber, dass ich scheinbar noch in der Innenstadt von Trani mein Münzportemonnaie verloren hatte. So viel holpriges Kopfsteinpflaster war wohl zu viel. Blöd und schade. Zum Glück waren nur wenige Euros drin. Ich bezahlte also mit einer Note, steckte mir das Kleingeld hinten ins Trikot und fuhr bis zu meinem heutigen Tagesziel, nach „Andria“. Da fand ich nicht gleich ein Hotel, so dass ich Karin zuhause anrief und sie bat, mit via Internet ein Hotel zu suchen. Das hat dann soweit geklappt und ich habe nun auch ein Zimmer, zum Glück mit Klimaanlage, gefunden. Als ich die Packtaschen vom Rad nehmen wollte, stand ich aber vor einem Problem. Mit meinem Kabelschloss binde ich jeweils die Seitentaschen zusammen und schliesse sie am grossen blauen Packsack fest. Der Schlüssel zum Schloss hatte ich auf der bisherigen Tour immer im Münzportemonnaie… Nun profitierte ich wirklich von einem der Bücher, die ich in der Vorbereitungszeit gelesen hatte. Da stand nämlich, dass man den Zweitschlüssel möglichst weit weg vom ersten mitnehmen soll. Da war die Überlegung die, dass wenn man ausgeraubt wird während das Velo irgendwo angeschlossen ist, man dann das Schloss dann immer noch aufkriegt und so zur Polizei fahren kann. Deshalb klebte ich mir den Zweitschlüssel unter die Einlegesohle meines rechten Schuhs. Da war ich nun wirklich froh darüber. Ich hätte sonst alle Taschen am Velo lassen, den Inhalt einzeln ins Zimmer tragen und dann mit dem Velo in eine Autogarage oder etwas ähnliches fahren müssen, wo man das Schloss oder das Kabel hätte auftrennen können. So blieb mir das erspart. Entweder finde ich in den nächsten Tagen einen Schlüsselshop, der mir einen Zweitschlüssel anfertigen kann oder ich kaufe ein neues Schloss, damit ich wieder zwei Schlüssel habe. Schusslig wie ich bin, kann mir Ähnliches durchaus wieder passieren. Abends besichtigte ich vor dem Essen noch etwas Andria, doch ich fand’s jetzt nicht so prickelnd, als dass ich Fotos gemacht hätte. Trotz dem heutigen Missgeschick fand ich den Tag schön und gelungen. Die 75 Kilometer entlang der Küste waren heute wirklich total flach. Die einzigen Höhenmeter gab es auf den letzten 20 Kilometern, denn Andria liegt auf etwa 180 Meter über Meer. Das GPS sagt: 95 km., 5:01 Std., 200 Hm. Donnerstag, 14. Juli 2011(31) Erholung am Meer
Nach einer kurzen und heissen Nacht spazierte ich am schon kurz nach sechs Uhr dem schönen Sandstrand von „African Beach“ entlang und genoss die Ruhe vor dem Tag.
Später widmete ich mich wieder einmal meinem Velo. Nachdem ich die letzten zehn Tage immer nur gefahren bin, hat sich eine Schweiss, Staub und Sandkruste auf vielen Teilen gebildet, die ich mal wegputzen wollte. Dann wechselte ich die Reifen. Der leicht abgefahrene Hinterreifen kam nach vorne und der noch fast neue Vordere nach hinten. Nun sieht das Kish wieder toll aus und ist bereit für den zweiten Teil meiner Reise bis nach Florenz. Der dritte Teil, von Florenz nach Hause, der ist noch weit weg und wird auch erst da geplant.Danach ging ich zu den Anderen ans Meer baden... Heute ist genau ein Monat verstrichen, seit ich von zuhause gestartet bin. Bisher machte ich insgesamt (nur) vier Ruhetage, wovon ich einen mit Zugfahren verbrachte. Das heisst also, dass ich an 27 Tagen auf dem Velo sass. Insgesamt legte ich 2‘850 Kilometer und 38‘000 Höhenmeter zurück. Reine Fahrzeit total 163 Stunden. Pro gefahrenen Tag macht das im Schnitt 105 Kilometer, 1‘400 Höhenmeter, 6 Stunden Fahrzeit. Dabei profitierte ich natürlich vom sehr schönen Wetter. Nach drei Tagen mit zeitweisem Regen zu Beginn, blieb es seither immer trocken und es wurde je länger je wärmer. Klar, ich komme ja auch immer weiter in den Süden und nun kommt wahrlich die heissetste Zeit meiner Reise. Erwähnenswert finde ich auch, dass ich immer gesund blieb und auch nicht von grösseren Sitzbeschwerden geplagt wurde. Ich bin (zum Glück) nie gestürzt und hatte ausser der angerissenen Seitentasche wirklich keinen Defekt, nicht mal einen Plattfuss, wirklich gar nichts. So ist es natürlich schön zu reisen. Ich weiss das sehr zu schätzen und bin auch dankbar dafür. Abends waren wir dann alle gemeinsam in Manfredonia, schlenderten durch die durchaus hübsche Altstadt und assen sehr gut im Restaurant "PapaNonno". Morgen geht nun meine Reise weiter. Ich bin noch immer motiviert und freue mich auf weitere spannende Erlebnisse und Begegnungen. Mittwoch, 13. Juli 2011(30) zu Freunden ans Meer
Im Hotel gab es heute ein wirklich ausgezeichnetes Frühstücksbuffet mit Früchten, Müesli, Brot und sonstigen Leckereien. Das fand ich natürlich Spitze und so langte ich kräftig zu.
Kurz vor fünf Uhr haben wir uns dann gefunden und freuten uns alle über das Wiedersehen. Ich wurde wirklich sehr herzlich empfangen und es war schön, nach einem Monat alleine radfahren wieder einmal unter Freunden zu sein die meine Sprache sprechen. Ich wollte dann unbedingt noch ins Meer, denn dieses habe ich nun in den letzten drei Tagen jeweils gesehen, war jedoch noch nie drin um zu baden. Abends um sieben Uhr war der feinkörnige Sandstrand auch nicht mehr so heiss und es waren nur noch wenige Leute zu sehen. Herrlich um noch etwas zu planschen und zu entspannen, denn das Wasser ist mit etwa 24° Grad ja nicht mehr wirklich erfrischend. Später wollten alle noch meine unterwegs gemachten Fotos sehen und so zückte ich das Netbook und im Nu verstrich die Zeit, denn bei jedem zweiten Bild hatte ich natürlich noch einen Kommentar abzugeben. Bis wir dann in eine nahegelegene Pizzeria essen gingen, war es schon zehn Uhr und bis ich dann mein Kopf auf ein Kissen legen konnte, war es weit nach Mitternacht. Es war ein wirklich schöner Tag. Morgen werde ich hier meinen insgesamt vierten Ruhetag einlegen und nach Möglichkeit nicht aufs Velo steigen, sondern sünnele und bädele und pläuderle… Sehr schön. Ich denke, das habe ich nun durchaus verdient... Das GPS sagt: 112 km., 5:53 Std., 1‘250 Hm. Dienstag, 12. Juli 2011(29) Nationalpark del Gargano![]() Ich muss mich heute kurz fassen, denn im Hotel wo ich ein Zimmer fand gibt es kein Internet und das Internetcaffee in dem ich sitze, will in 30 Minuen schliessen. Es braucht auch gar nicht all zu viele Worte, denn es war ganz einfach ein SUPER-Tag! Einer, welcher bestimmt unter den Top10 dieser Reise landen wird.
Als auf der Abfahrt meine vorgeplante Route auf eine Schotterstrasse abbog, liess ich mich für einmal nicht darauf ein und fuhr einfach auf dar Strasse weiter. ich hatte heute wirklich keine Lust mehr auf Beat-Ausflüge. Das war bestimmt richtig, denn es hatte wieder sehr wenig Verkehr und auch die Alternativstrecke war sehr schön. Erst kurz vor dem Meer lichtet sich der Wald und über viele Kurven werden dieHöhenmeter vernichtet. Schon von Weitem kann ich Péschici erkennen und das sieht schon ganz vielversprechend aus. Nach der schönen Fahrt durch die Wälder des Gargano, waren dann die 30 Kilometer Küstenstrasse bis nach Vieste ebenfalls unglaublich schön. Da es keine Flachküste ist, führt die Strasse zwar immer wieder rauf und runter, was bei 35° Grad doch noch einmal schweisstreibend ist, doch es gibt immer wieder Anlässe um zu halten. Sei es die fantastische Aussicht die zum forografieren animiert oder seien es die vielen Bars, die zu einer Pause einladen.
Unter der Dusche kam mir die Idee mit dem Internetcaffe, was auch gut klappt. Da ich die nächsten Tage in Manfredonia bei Freunden sein werde die keinen Internetanschluss haben, versuche ich auch dort via Internetcaffe online zu kommen. O.K. Das war's schon. Ich versuche nun noch die heutigen Fotos ins Fotoalbum hochzuladen. Ein Blick hinein lohnt sich! Das GPS sagt: 116 km. 5:54 Std., 1'430 Hm.
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Kommentare
Do, 02.05.2013 09:18
Hoi Beat,
herzliche Gratulation zum
Auftritt. Ich kenne nur
wenige Leute, die derart
authentisch und positiv
im [...]
Hans zu 106km rund um den Vierwaldstättersee
Mi, 01.05.2013 13:13
Dein Bericht ist
inspirierend. Ich habe
mit 60 ein Einrad
bekommen und liebe es,
damit um Seen zu kurven.
Kürzlich [...]
beat zu zu Gast bei Aeschbacher
Sa, 20.04.2013 23:22
Danke!
Ich bin 1,92m gross. Da
kann man im direkten
Vergleich schnell klein
aussehen.
Spoony zu zu Gast bei Aeschbacher
Sa, 20.04.2013 16:32
Gratulation! Du wirst
noch berühmt und ich
hoffe das bringt was für
das Geschäft. By the way
- ist der Äschbi [...]
blackCoffee zu Fernsehauftritt
Fr, 19.04.2013 09:27
Das hast Du ja locker
geschafft. Ist ja nicht
jedem gegeben, vor der
Kamera zu stehen